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Wenn Kinder schweigen - Befunderhebung und Behandlung des (selektiven) Mutismus

22.10.2012 · News

Der Begriff ‚Mutismus' leitet sich ab vom lateinischen Wort ‚mutus' (= stumm) und bedeutet Schweigen.

Man kann bei dem Störungsbild Mutismus grundsätzlich die folgenden beiden Ausprägungsformen unterscheiden: 

1) selektiver Mutismus (um diese Form geht es im folgenden Text)

2) totaler Mutismus. Hierunter versteht man den völligen Abbruch der Kommunikation zu allen Personen. Bei Kindern tritt diese Form nur sehr selten auf. 

 

Der selektive Mutismus bei Kindern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt zu diesem Störungsbild die folgende Definition:

"Dieser ist durch eine deutliche, emotional bedingte Selektivität des Sprechens charakterisiert, so dass das Kind in einigen Situationen spricht, in anderen definierbaren Situationen jedoch nicht. Diese Störung ist üblicherweise mit besonderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Sozialangst, Rückzug, Empfindsamkeit oder Widerstand verbunden."

Laut der amerikanischen Klassifikation müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein, um die Diagnose 'Selektiver Mutismus' zu stellen:

1. "Andauernde Unfähigkeit, in bestimmten Situationen zu sprechen, (in denen das Sprechen erwartet wird, z.B. in der Schule), wobei in anderen Situationen normale Sprechfähigkeit besteht.

2. Die Störung behindert die schulischen oder beruflichen Leistungen oder die soziale Kommunikation.

3. Die Störung dauert mindestens einen Monat (und ist nicht auf den ersten Monat nach Schulbeginn beschränkt).

4. Die Unfähigkeit zu sprechen ist nicht durch fehlende Kenntnisse der gesprochenen Sprache bedingt, die in der sozialen Situation benötigt wird oder dadurch, dass der Betroffene sich in dieser Sprache nicht wohl fühlt.

5. Die Störung kann nicht besser durch eine Kommunikationsstörung (z.B. Stottern) erklärt werden und tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung (z.B. Autismus), Schizophrenie oder einer anderen psychotischen Störung auf." 

Bei meiner Arbeit mit mutistischen Kindern und ihren Familien verwende ich gerne die folgende Definition, die der Verein StillLeben e.V. Hannover auf seiner Internetseite (www.selektiver-mutismus.de) verwendet. Diese erscheint mir für den Gebrauch in der logopädischen Praxis besonders prägnant:

"Selektiver Mutismus beschreibt die Unfähigkeit, in spezifischen sozialen Situationen (z.B. Kindergarten/Schule) oder mit bestimmten Personen (z.B. Personen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören) zu sprechen." Dabei sind die Sprech- und Hörfähigkeiten vorhanden, und "es liegen in der Regel keine organischen, peripheren oder zentralen Schädigungen der am Sprechen beteiligten Organe, Nerven oder Zentren vor."

Ergänzend kann noch hinzugefügt werden, dass das Schweigen einem (unbewusst) ausgewählten Personenkreis gegenüber angewandt wird. Das betroffene Kind kann nicht selbst darüber bestimmen, in welcher Situation es spricht, sondern die Situation gibt es ihm vor.